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  • Flipper Zero Firmware 1.0: Was ist neu – und was ändert sich für dich?

    Flipper Zero Firmware 1.0: Was ist neu – und was ändert sich für dich?

    Nach über drei Jahren Entwicklungszeit hat Flipper Devices mit Firmware 1.0 den ersten echten Major-Release für den Flipper Zero veröffentlicht. Kein inkrementelles Update, kein Bug-Fix-Release – sondern ein Versionssprung, der das Gerät grundlegend verändert.

    Wer den Flipper Zero schon länger kennt, weiß: Das Gerät ist klein, sieht aus wie ein Spielzeug und kann erstaunlich viel. Mit Firmware 1.0 wird es noch mächtiger – und vor allem zugänglicher. Was genau sich geändert hat, warum das relevant ist, und was du als Nutzer in Deutschland konkret davon hast, klären wir hier.


    Was ist der Flipper Zero überhaupt?

    Kurz für alle, die den Flipper Zero noch nicht kennen: Es handelt sich um ein portables Multi-Tool für Sicherheitsforschung, Maker-Projekte und Technik-Enthusiasten. Das Gerät kombiniert Sub-GHz-Funk (315/433/868 MHz), NFC, RFID (125 kHz), Infrarot, iButton, GPIO-Pins und Bluetooth in einem handlichen Gehäuse – ungefähr so groß wie ein Taschenrechner.

    Der Name kommt vom integrierten Tamagotchi-artigen Delfin-Pet, der je nach Aktivität wächst oder schrumpft. Ernsthaftes Werkzeug mit verspielter Oberfläche – das ist das Konzept.

    In Deutschland und der EU ist der Flipper Zero legal zu besitzen und zu nutzen, solange er im Rahmen der gesetzlichen Regelungen eingesetzt wird (eigene Systeme, eigene Infrastruktur, Bildung und Forschung). Das Gerät ist kein Instrument für illegale Aktivitäten und wird als solches auch nicht vermarktet.


    Firmware 1.0: Die wichtigsten Neuerungen

    Dynamisches App-Loading – das größte Feature

    Bis Version 1.0 war jede Funktion des Flipper Zero fest im Firmware-Image verankert. Neue Features bedeuteten zwingend neue Firmware-Versionen. Das hatte einen entscheidenden Nachteil: Der interne Flash-Speicher war irgendwann voll. Flipper Devices konnte schlicht keine neuen Features mehr einbauen.

    Mit Firmware 1.0 hat Flipper Devices deshalb das dynamische App-Loading eingeführt. Statt jede Funktion fest ins Firmware-Image zu packen, kann der Flipper Zero Anwendungen direkt von der microSD-Karte laden. Diese Apps liegen als FAP-Dateien vor – das steht für Flipper Application Package.

    Das Resultat: Hunderte Community-Apps sind mittlerweile verfügbar – von Protokoll-Analysatoren über Spiele bis hin zu Mess- und Debugging-Tools. Alle findet man im offiziellen Apps Catalog, der über die Flipper Mobile App oder Flipper Lab zugänglich ist. Wenn du wissen willst, was du damit konkret installierst und wie die Skripte zusammenspielen, lies auch meinen Beitrag Flipper Zero Apps installieren: Apps Catalog, FAP-Dateien und JavaScript-Skripte richtig nutzen.

    JavaScript auf dem Flipper Zero

    Das hätte vor einem Jahr noch geklungen wie ein Witz: Der Flipper Zero kann jetzt JavaScript ausführen. Möglich macht das die eingebettete mJS-Scripting-Engine, die speziell für Mikrocontroller entwickelt wurde und mit weniger als 50 KB Flash und 2 KB RAM auskommt.

    Was bedeutet das praktisch? Wer nicht in C oder C++ entwickeln will, kann jetzt einfache Skripte in JavaScript schreiben, als .js-Datei auf die SD-Karte kopieren (Pfad: SD Card/apps/Scripts) und direkt über das Menü ausführen – ohne Build-Toolchain, ohne Compiler-Setup.

    Das senkt die Einstiegshürde für eigene Erweiterungen erheblich. Für Anfänger, die mal schnell eine Sub-GHz-Sequenz automatisieren oder einen NFC-Workflow scripten wollen, ist das ein echter Gewinn.

    Neues NFC-Subsystem: 2,7-mal schneller

    NFC ist einer der meistgenutzten Bereiche des Flipper Zero – und gleichzeitig einer, der in der Vergangenheit am meisten Kritik bekam. Langsame Lesegeschwindigkeiten, RAM-Probleme, schwierige Erweiterbarkeit.

    In Firmware 1.0 wurde das NFC-Subsystem komplett neu geschrieben. Die alte RFAL-Bibliothek von STMicroelectronics wurde durch eine eigene, RTOS-freundliche Implementierung ersetzt. Konkrete Auswirkungen:

    • Dictionary-Key-Matching bei MIFARE Classic-Karten: 2,7-fach schneller
    • Neue unterstützte Kartentypen: ICODE® SLIX und FeliCa™ Lite-S
    • Dynamische NFC-Parser als FALs (Flipper App Libraries): Community-Entwickler können Unterstützung für neue Kartentypen beisteuern, ohne das Kernfirmware-Image ändern zu müssen
    • NFC-Dumps von MIFARE Classic-Karten lassen sich jetzt direkt in der Flipper Mobile App anzeigen und bearbeiten – kein externes Tool mehr nötig

    Wer regelmäßig mit Zugangskarten, Kundenkarten oder ähnlichem arbeitet, wird den Unterschied sofort merken.

    Mehr Akkulaufzeit und bessere Bluetooth-Performance

    Weniger spektakulär, aber im Alltag spürbar:

    • Standby-Akkulaufzeit: bis zu 1 Monat – das Gerät kann also in der Schublade liegen, ohne nach einer Woche leer zu sein
    • Bluetooth-Datenübertragung mit Android: bis zu 2-mal schneller
    • Firmware-Updates über Bluetooth: 40 % schneller – wer Updates gerne drahtlos einspielt, spart deutlich Zeit

    Was sich für deutsche Nutzer ändert

    App-Ökosystem auf Deutsch

    Durch den Apps Catalog gibt es erstmals eine kuratierte, zentrale Anlaufstelle für Community-Apps. Das Chaos aus verstreuten GitHub-Repos und Reddit-Posts wird spürbar reduziert. Alle Apps im offiziellen Katalog sind Open Source – wichtig für alle, die wissen wollen, was auf ihrem Gerät läuft.

    Sub-GHz in Deutschland: was ist erlaubt?

    Ein häufiger Punkt bei deutschen Nutzern: Die Sub-GHz-Funktion des Flipper Zero ist ab Werk in bestimmten Frequenzbändern eingeschränkt. In der EU sind folgende Bänder durch die regionalen Frequenzzuweisungen relevant:

    • 433,05–434,79 MHz (SRD-Band, ISM) – z. B. für Garagentor-Fernbedienungen, Wettersensoren
    • 868,0–868,6 MHz (SRD-Band Europa) – z. B. für Smart-Home-Geräte, Zigbee, LoRa

    Das Empfangen von Signalen in diesen Bändern ist in der Regel problemlos. Beim Senden gelten Leistungsbeschränkungen (typisch ≤ 25 mW ERP) – der Flipper Zero hält diese im Standard-EU-Profil ein. Für eigene Systeme (z. B. Garagentor, das dir gehört) ist das Testen im Rahmen dieser Grenzen legal. Fremde Systeme ohne Erlaubnis zu stören ist es nicht – das gilt für jedes Funksendegerät.

    Rechtliche Einordnung in Deutschland

    Der Besitz und der Betrieb des Flipper Zero sind in Deutschland legal. Das Gerät ist kein zugelassener Bankkartenkloner, kein Hacking-Tool im rechtlichen Sinn, sondern ein Messgerät und Entwicklertool. Entscheidend ist immer wofür man es benutzt – nicht das Gerät selbst.

    Wer auf eigene Infrastruktur testet oder forscht, bewegt sich auf sicherem Terrain. Wer fremde Systeme angreift, macht sich strafbar – unabhängig davon, welches Werkzeug dabei zum Einsatz kommt.


    Wie installiert man Firmware 1.0?

    Das Update auf Firmware 1.0 ist denkbar einfach:

    1. qFlipper herunterladen – die offizielle Desktop-App für Windows, macOS und Linux: flipperzero.one/update
    2. Flipper Zero per USB-C anschließen
    3. In qFlipper auf „Update“ klicken – die aktuelle Stable-Version wird automatisch erkannt
    4. Alternativ: Update drahtlos über die Flipper Mobile App (iOS/Android) via Bluetooth

    Wer lieber die Community-Firmware Unleashed oder Momentum nutzt (erweiterte Frequenzunterstützung, mehr Features), findet die jeweiligen Releases auf GitHub. Diese sind inoffiziell und nicht durch Flipper Devices supportet – für Bastler aber oft interessanter.


    Flipper Zero kaufen: Was kostet er, wo gibt es ihn?

    Der Flipper Zero kostet offiziell 169 USD direkt über den Hersteller-Shop (shop.flipperzero.one). In Deutschland kommen Einfuhrumsatzsteuer und ggf. Zoll hinzu – der effektive Preis liegt häufig zwischen 220 und 260 Euro.

    Wer lieber über einen deutschen Händler kauft (mit MwSt.-Ausweis und EU-Garantie), findet den Flipper Zero auch auf Amazon:

    👉 Flipper Zero auf Amazon.de kaufen (Affiliate-Link)

    Wichtig: Achte beim Kauf auf den offiziellen Verkäufer. Günstige No-Name-Angebote von unbekannten Drittanbietern liefern gelegentlich Fälschungen oder ältere Hardware-Revisionen.

    Zubehör, das sich lohnt

    • Wi-Fi Developer Board (ESP32-S2): Erweitert den Flipper Zero um WLAN-Konnektivität und ermöglicht drahtloses Debugging. Unverzichtbar für Web-basierte Angriffssimulationen im eigenen Netzwerk.
    • microSD-Karte: Für FAP-Apps, Signal-Dumps und Scripts. 16–32 GB reichen völlig.
    • Silikonhülle: Schützt das Gerät vor Kratzern – gibt es in vielen Farben.

    Fazit: Lohnt sich Firmware 1.0?

    Ja, klar – ein Update kostet nichts und bringt echte Verbesserungen. Das dynamische App-Loading ist ein fundamentaler Paradigmenwechsel: Der Flipper Zero ist jetzt eine offene Plattform, auf der die Community eigenständig Apps entwickeln und verteilen kann. JavaScript-Support und das komplett überarbeitete NFC-System sind das Sahnehäubchen.

    Für wen lohnt sich der Flipper Zero in 2026 grundsätzlich?

    • Sicherheitsforscher und Pentester, die eine kompakte Toolbox für Protokollanalyse, NFC-Tests und Infrarot-Reverse-Engineering suchen
    • Maker und Hobbyisten, die mit Funkprotokollen, GPIO oder eigenen Scripts experimentieren wollen
    • Smart-Home-Enthusiasten, die verstehen wollen, was ihre Geräte senden – oder eigene Automationen bauen

    Wer nur einen smarten Lautsprecher oder eine Steckdose steuern will, braucht keinen Flipper Zero. Wer tiefer in die Technik einsteigen will: Hier ist ein gutes Einstiegsgerät.


    Weiterführende Artikel auf HighEnd Digital

    Hinweis: Die Produktlinks sind Affiliate-Links. Wenn du darüber kaufst, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich bleibt der Preis gleich.


  • Flipper Zero Apps installieren: Apps Catalog, FAP-Dateien und JavaScript-Skripte richtig nutzen

    Flipper Zero Apps installieren: Apps Catalog, FAP-Dateien und JavaScript-Skripte richtig nutzen

    Der Flipper Zero ist seit Firmware 1.0 deutlich interessanter geworden. Nicht, weil das Gerät plötzlich etwas völlig Neues könnte – sondern weil es seitdem wie eine kleine Plattform funktioniert. Statt starr auf die fest eingebaute Firmware beschränkt zu sein, kannst du Apps nachinstallieren, Community-Tools testen und einfache Skripte direkt auf dem Gerät ausführen.

    Genau das ist für viele in Deutschland der Punkt, an dem der Flipper Zero vom netten Geek-Gadget zum wirklich brauchbaren Werkzeug kippt.

    In diesem Artikel zeige ich dir, wie du Apps auf dem Flipper Zero installierst, was es mit FAP-Dateien auf sich hat, wie JavaScript-Skripte funktionieren und worauf du bei Firmware-Versionen, microSD-Karte und der legalen Nutzung in Deutschland achten solltest.

    Kurzantwort: Aktualisiere zuerst die offizielle Firmware, prüfe die microSD-Karte und installiere die erste App über den offiziellen Apps Catalog – per Mobile App oder Flipper Lab. FAP-Dateien musst du dafür nicht selbst bauen. Eigene JavaScript-Dateien landen anschließend unter SD Card/apps/Scripts.

    Warum Apps auf dem Flipper Zero überhaupt so wichtig sind

    Vor Firmware 1.0 steckte praktisch jede Funktion direkt im Firmware-Image. Das war auf Dauer unpraktisch: Neue Features bedeuteten immer ein komplettes Firmware-Update, und der interne Flash-Speicher wurde zum Flaschenhals.

    Mit Firmware 1.0 hat Flipper Devices deshalb das dynamische App-Loading eingeführt. Seitdem kann der Flipper Zero Anwendungen direkt von der microSD-Karte laden. Diese Apps liegen als FAP-Dateien vor – das steht für Flipper Application Package.

    Der praktische Effekt ist größer, als es erst mal klingt:

    • das Grundsystem bleibt schlanker
    • neue Tools müssen nicht mehr fest in die Firmware eingebaut werden
    • Community-Apps lassen sich deutlich einfacher verteilen
    • der Flipper Zero wird langfristig erweiterbar statt schnell voll

    Wenn du also irgendwo liest, dass der Flipper Zero „erst mit Firmware 1.x richtig Spaß macht“, dann ist genau das gemeint.

    Welche Firmware-Version du brauchst

    Für das App-Modell und die Script-Nutzung ist vor allem eins wichtig: mindestens Firmware 1.0.

    Das war der Major-Release, mit dem drei Dinge offiziell zusammenkamen:

    • Apps Catalog für Community-Apps
    • FAP-Support für dynamisch geladene Apps
    • JavaScript-Support für einfache Skripte direkt auf dem Gerät

    Wichtig ist auch ein Sonderfall aus der offiziellen Flipper-Dokumentation: Wenn dein Gerät noch auf Firmware 0.63 oder älter läuft, musst du für den Sprung auf die moderne Linie in der Regel den DFU-/Recovery-Weg über qFlipper nutzen. Wer ohnehin frisch kauft, wird damit meist nichts zu tun haben. Wer aber einen lange ungenutzten Flipper Zero aus der Schublade zieht, sollte das im Hinterkopf behalten.

    So installierst du Apps auf dem Flipper Zero

    Es gibt offiziell zwei bequeme Wege:

    1. Über die Flipper Mobile App

    Das ist der einfachste Weg, wenn du schnell etwas ausprobieren willst.

    So läuft es in der Praxis:

    1. Flipper Mobile App auf iPhone oder Android-Smartphone installieren
    2. Flipper Zero per Bluetooth koppeln
    3. In der App den Bereich Apps öffnen
    4. gewünschte App auswählen
    5. Installation starten

    Für viele ist das die angenehmste Methode, weil du nicht erst den Laptop aufklappen musst.

    2. Über Flipper Lab im Browser

    Die zweite offizielle Variante ist Flipper Lab. Das läuft im Browser und ist laut offizieller Doku für Google Chrome, Microsoft Edge und andere Chromium-basierte Browser mit Web Serial API gedacht.

    Das ist technisch interessant, weil der Flipper hier direkt per Browser mit dem Gerät spricht. In der Praxis heißt das:

    • Flipper per USB anschließen
    • Flipper Lab öffnen
    • Apps-Bereich aufrufen
    • App auswählen und installieren

    Ich würde in Deutschland für Desktop-Nutzer meistens genau diesen Weg empfehlen, weil er schnell, dokumentiert und unkompliziert ist.

    Was der Apps Catalog wirklich bringt

    Der eigentliche Mehrwert ist nicht nur die Installation selbst, sondern die Struktur dahinter.

    Vor dem offiziellen Apps Catalog waren viele Community-Tools über GitHub-Repositories, Foren, Discord-Posts oder Reddit-Fäden verstreut. Das war unnötig chaotisch. Inzwischen gibt es einen zentralen Katalog, in dem Apps nach Kategorien auftauchen, zum Beispiel:

    • Sub-GHz
    • NFC
    • RFID
    • Tools
    • Media
    • Games

    Das ist nicht nur bequemer, sondern auch für Einsteiger deutlich sinnvoller. Du musst dich nicht erst durch halbgare Community-Anleitungen wühlen, sondern kannst mit dem offiziellen Pfad anfangen.

    Gerade wenn du den Flipper Zero für ein sauberes Homelab, Maker-Projekte oder Smart-Home-Experimente nutzt, ist das die richtige Reihenfolge: erst offizieller Katalog, dann Spezialfälle.

    Wenn du die Firmware-Grundlagen noch nicht geprüft hast, lies vorher meinen Überblick zu Flipper-Firmware 1.0. Dort ordne ich ein, welche Änderungen für Apps, NFC und den Alltag wirklich relevant sind.

    Passend dazu: Wenn du dir gerade ein eigenes Technik-Lab aufbaust, sind auch diese Artikel auf HighEnd Digital nützlich:

    Was sind FAP-Dateien?

    FAP steht für Flipper Application Package. Technisch ist das das Format, in dem kompilierte Apps für den Flipper Zero ausgeliefert werden. Der App-Loader der Firmware lädt diese Dateien direkt von der microSD-Karte.

    Für normale Nutzer ist vor allem wichtig:

    • du musst FAP-Dateien nicht selbst verstehen, um Apps zu nutzen
    • du brauchst aber eine funktionierende microSD-Karte
    • ohne SD-Karte ist der moderne App-Workflow stark eingeschränkt

    Wenn du also noch keine Karte im Gerät hast: Das ist kein optionales Zubehör, sondern praktisch Pflicht. Für typische Flipper-Nutzung reichen 16 bis 32 GB locker aus. Es geht hier nicht um riesige Datenmengen, sondern um Apps, Dumps und Skripte.

    JavaScript auf dem Flipper Zero: sinnvoll oder nur Spielerei?

    Das ist eines der Features, das auf den ersten Blick nerdiger klingt als es ist.

    Seit Firmware 1.0 unterstützt der Flipper Zero JavaScript. Laut Flipper basiert das auf der mJS-Engine, die für Mikrocontroller gedacht ist und mit sehr wenig Ressourcen auskommt – laut Hersteller mit unter 50 KB Flash und 2 KB RAM.

    Warum das relevant ist:

    • du musst nicht sofort in die native App-Entwicklung einsteigen
    • du brauchst keinen kompletten C/C++-Build-Workflow
    • kleine Helfer und Test-Skripte lassen sich deutlich schneller bauen

    Für Bastler ist das ehrlich gesagt eines der besten Flipper-Features überhaupt. Nicht, weil JavaScript auf einem Mini-Tool per se sexy wäre, sondern weil es die Einstiegshürde massiv senkt.

    So startest du mit eigenen Skripten

    Der offizielle Weg ist angenehm schlicht:

    • JS-Datei auf den Flipper kopieren
    • Zielordner: SD Card/apps/Scripts
    • danach auf dem Gerät im Menü Apps → Scripts starten

    Wichtig: Die Skripte müssen nicht auf dem PC kompiliert werden. Genau das macht den Workflow so bequem.

    Wenn du ein paar schnelle Automationen, kleine Hilfsfunktionen oder Prototypen für eigene Ideen bauen willst, ist das ideal. Für komplexere native Apps bleibt C/C++ natürlich die stärkere Wahl – aber für viele reale Alltagsfälle ist das gar nicht nötig.

    Wofür sich Apps und Skripte in der Praxis eignen

    Der größte Fehler bei Flipper-Content ist oft, dass alles sofort in Richtung „Hacking-Mythos“ abdriftet. Das ist meistens Quatsch. Die sinnvollen Anwendungsfälle sind viel bodenständiger.

    Praxisnahe Beispiele:

    • kleine Hilfstools für dein eigenes Lab
    • Testen und Organisieren eigener NFC-/RFID-Daten
    • Ausprobieren von Community-Tools ohne Firmware-Bastelei
    • Prototyping für GPIO- oder Funk-bezogene Mini-Workflows
    • Lernumgebung für Protokolle, Dateiformate und embedded-nahe Abläufe

    Gerade im Maker- und Homelab-Umfeld ist das interessanter als die üblichen Clickbait-Versprechen rund um angebliche Wunderfähigkeiten.

    Deutschland: Was du bei Nutzung und Grenzen beachten solltest

    In Deutschland ist der Flipper Zero grundsätzlich legal zu besitzen und zu nutzen. Relevant ist nicht das Gerät selbst, sondern dein Einsatzzweck.

    Die sichere Faustregel lautet:

    • eigene Geräte: okay
    • eigene Testumgebungen: okay
    • Ausbildung, Forschung, Reverse Engineering im legalen Rahmen: okay
    • fremde Systeme ohne Erlaubnis: nicht okay

    Das gilt besonders bei Funk und NFC. Der Flipper Zero ist ein Werkzeug, keine magische Ausnahme vom Recht.

    Gerade beim Thema Sub-GHz solltest du außerdem sauber zwischen Empfangen, Analysieren und Senden unterscheiden. In Deutschland und der EU gelten je nach Band klare regulatorische Grenzen. Wenn du den Flipper in deinem Smart-Home-Setup oder in einer Testumgebung nutzt, bleib beim dokumentierten Standardprofil und arbeite nur mit eigener Infrastruktur.

    NFC-Apps: warum die aktuelle Firmware-Linie hier besonders lohnt

    Auch wenn dieser Artikel den Fokus auf Apps und Skripte legt, gehört ein Punkt dazu, weil er für die App-Nutzung relevant ist: Das neue NFC-Subsystem seit Firmware 1.0.

    Flipper Devices hat den NFC-Bereich damals komplett überarbeitet. Laut Hersteller brachte das unter anderem:

    • 2,7-fach schnelleres Dictionary-Key-Matching bei MIFARE Classic
    • Unterstützung zusätzlicher Typen wie ICODE SLIX und FeliCa Lite-S
    • dynamische Parser als Plugins statt starrer RAM-Belastung

    Spannend ist das vor allem deshalb, weil es zeigt, wie das neue App-/Plugin-Modell in die Gesamtplattform einzahlt.

    Auch in der offiziellen Doku finden sich konkrete technische Details zu unterstützten Karten. Zum Beispiel kann der Flipper Zero bei MIFARE Classic 1K Daten aus 16 Sektoren lesen; dafür werden 32 Schlüssel benötigt. Bei MIFARE Classic 4K sind es 40 Sektoren und 80 Schlüssel. Solche Details sind für normale Nutzer nicht täglich wichtig – sie zeigen aber, dass der Flipper nicht einfach nur „Tags scannt“, sondern mit echten Protokoll- und Speicherstrukturen arbeitet.

    Meine Empfehlung: so solltest du als Einsteiger anfangen

    Wenn du den Flipper Zero neu hast oder ihn nach längerer Zeit wieder aus der Schublade holst, würde ich nicht sofort in wilde Community-Firmwares oder dubiose Downloads springen.

    Der saubere Weg ist aus meiner Sicht:

    1. offizielle Firmware auf aktuellen 1.x-Stand bringen
    2. microSD-Karte sauber einrichten
    3. Apps Catalog über Mobile App oder Flipper Lab nutzen
    4. erst danach mit JavaScript-Skripten und Spezial-Apps spielen

    Das ist weniger spektakulär als manche YouTube-Show, aber technisch der vernünftigste Einstieg.

    Fazit: Apps und Scripts machen den Flipper Zero erst richtig alltagstauglich

    Wenn du nur wissen willst, ob sich der Aufwand lohnt: ja.

    Nicht jede Community-App ist Gold wert, und nicht jeder Nutzer braucht JavaScript auf einem Taschen-Tool. Aber seit Firmware 1.0 ist der Flipper Zero klar mehr als nur ein hübsches Gerät mit Delfin-UI. Durch FAP-Dateien, Apps Catalog und Scripts im Ordner SD Card/apps/Scripts ist er deutlich flexibler, praktischer und für normale technisch interessierte Nutzer zugänglicher geworden.

    Mein ehrliches Urteil: Wer den Flipper Zero ernsthaft nutzen will, sollte genau hier anfangen. Nicht bei Mythen, nicht bei fragwürdigen Mods, sondern bei den offiziell dokumentierten App- und Script-Funktionen.


    Weiterführende Quellen

    • Offizielle Flipper-Doku: Apps Catalog und App-Verwaltung
    • Offizielle Flipper-Doku: Entwicklung und CLI
    • Flipper Blog: Firmware 1.0 Release